Antonio Staude (Germania)

Antonio Staude (Germania)

Winterlauf in Gedanken, alleine

für Julia

Ich laufe am Neckar, hinein in das Tal,

am Flusslauf entlang und gegen die Quelle.

Die Wintersonne spüre ich im Rücken, und komme

mit Mühe nur ins Schwitzen, ich bin schnell.

Ich denke dabei, denke an dich, an die Dichtung. …

Ein Spiel wird daraus, wie hier diese Wiese,

auf der bald mannigfaltig die Krokusse blühen.

Mir sind die Gedanken was Spielzeug den Kindern.

Zerstreuung suche ich, doch finde ich die Wiese nur,

und den Fluss, denselben der mir fließt seit der Kindheit.

Da, auf dem Rasen, dort steht mit den Freunden mein Bruder,

da laufen die Schwäne, die Enten schnattern,

da rollen im Sommer die Bälle, Frisbees fliegen darüber als Scheiben,

und Kinder schreien nach Eis, ein Brunnen spendet Erfrischung.

Du hast mich verlassen, hast mich fallen gelassen,

der ich dich hielt … und ich fiel, und fiel in den Schoß meiner Stadt.

Hören wolltest du nichts, und nichts wolltest du sagen.

Im Winter vor einem Jahr liefst hier du gemeinsam mit mir,

und Kühlung auf die heißroten Wangen brachte der Wind dir,

bei der Brücke, der alten, die dich ansah, du aber sie nicht,

durch der Brille beschlagene Gläser.

Die nahm ich dir ab, sah dich an, ich wollte dich halten und spüren.

Doch wurden dir feucht von Tränen die Augen, die wachsam sind,

wenn sie die Sonne vermessen, die größer nicht scheint

als ein Fuß, so einer wie der, den ich festhielt von dir,

kalt zuerst, und bald warm, gleich nach der Umarmung in Liebe,

ruhend bei dir noch ein Weilchen im wohligen Bett vor dem Abend.

Ich laufe alleine, am Ufer entlang, im Blick das Pflaster der Steine.

Die Steine sind meine Worte, die Sprache der Weg der Gedanken.

Des Geistes Begrenzung kann ich nicht finden, auf keinem der unzähligen

Wege, und auch nicht entlang dieser Ufer, die als einzige wissen, wie wohl

im Wandel am ehesten sich ausruht der Strom, wenn rauschet das Wasser

und Regen und Hagel das Flussbett füllen, und in der Stadt

die Menschen am Abend sich wundern.

Mich selbst zu enträtseln versuche ich doch.

Da sehe ich das Kloster, links auf dem Hügel, und gehe hinauf,

jenseits der stark befahrenen Straße, und auch ohne mich fließt weiter

der Fluss, ich finde Zuflucht im Wald, und in der Dämmerung Erholung.

Das Dunkel des Abends, und beinahe verliere ich den Pfad,

und nasse Füße bekomme ich, endlich, im schmelzenden Schnee.

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Comments

  1. Avatar Chiara Colli Staude: January 20, 2020 at 5:16 pm

    Un racconto che è una poesia. La memoria torna indietro silenziosa e le immagini l’accompagnano.
    Molto bella!

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